Pflege muss Gesundheitsthema Nummer 1 werden!

Mit einem großen Wort beschrieb der Pflegebevollmächtigte Karl-Josef Laumann bei einem Kongress in Berlin seine künftige Ausrichtung und die des Gesundheitsministeriums. Es werden einige verstehen müssen, dass künftig die Pflege in der Gesundheitspolitik die erste Geige spiele. Gleichzeitig kündigte an, dass andere Bereiche es aushalten müssen, nicht mehr so wichtig zu sein.

 

Das fordert auch der ABVP seit geraumer Zeit.

Starke Worte vom zur Zeit wichtigsten Akteur der Pflegepolitik, die man nur unterstützen kann. Jahrzehntelang hatte die Politik die Pflege stiefmütterlich vernachlässigt. Wahlen wurden nicht mit diesem Politikbereich gewonnen, die gesellschaftliche Akzeptanz und der politische Wille standen in einem negativen Gegenseitigkeitsverhältnis. Gleichzeitig hörte man in der Öffentlichkeit ständig über andere Gesundheitsbereiche. Die allseits mächtige Pharmabranche unterwanderte regelmäßig durch starke Lobbyarbeit den politischen Prozess und setzte seine Interessen durch. Alljährlich riefen Ärzte, mal aus dem Krankenhaus, mal Fachärzte, mal Hausärzte, mal alle zusammen, nach besseren Bedingungen und Vergütungen. Bilder von regelmäßigen Ärztestreiks, initiiert durch den starken Marburger Bund gingen durch Deutschland, untermauert von Horrorszenarien der Versorgungsengpässe.

Laut statistischen Bundesamtes haben sich die Vergütungen für die Vertragsärzte zwischen 2003 und 2011 um durchschnittlich 32 % erhöht, bei Fachärzten fand teilweise sogar eine Steigerung von 35% binnen vier Jahren statt.  Andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen weisen ähnliche Steigerungsraten auf. Die Vergütungsanpassungen für Pflegedienste dagegen blieben deutlich unter diesen zahlen zurück. Vielfach verringerten diese sich sogar unter dem Aspekt der Kostensteigerungen, vor allem im Personalbereich. Dieser Zustand ist unhaltbar und bedarf dringender Korrektur.

Im Gegensatz zu vielen Ärzten nehmen Pflegeunternehmer ihre soziale Verantwortung offenbar wahr. Ein Streik in jeglicher Ausrichtung kommt für sie nicht in Frage. Sie verstehen nicht, warum man für eine menschenwürdige Betreuung von auf Hilfe angewiesene Pflegebedürftige die Arbeit auf deren Kosten nieder legen muss. Vielmehr erwarten sie, dass man sie einfach in Ruhe arbeiten lässt und dafür eine anständige Vergütung bekommt.

Vor diesem Hintergrund ist die Politik dringend gefordert, auf das gesamte politische System einzuwirken, um im Bereich der Gesundheit endlich denen die Aufmerksamkeit und Arbeit zukommen lässt, die jahrzehntelang zurückstehen mussten. Andere Gesundheitsbranchen sind aufgerufen, ihrer Gesamtverantwortung bewusst zu werden, um auch diejenigen nicht zu vergessen, die einen wertvollen Dienst am Menschen machen. Karl-Josef Laumann wird sich an Taten messen lassen müssen, die Deutlichkeit seiner Worte lässt jedoch Entschlossenheit erkennen. Entschlossenheit, endlich ein System wettbewerbsfähig zu machen, das vernachlässigt wurde und Entschlossenheit denen gegenüber zu treten, die die Bühne des Gesundheitssystems bisher genügend für ihre Interessen genutzt haben.

Die Pflege will keine Profilierung zu Lasten anderer Berufsgruppen und auch keine Spaltung der grundsätzlich gut zusammenarbeitenden Kooperationen im Gesundheitswesen. Sie will lediglich eine angemessene Berücksichtigung für ihren gesellschaftlichen Wert. Dafür benötigt man eine starke gemeinsame Stimme und die Hilfe der Politik.

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